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Der Tränenfilm, unterschätzt, obwohl er unsere Sehqualität maßgeblich beeinflusst.
Wir sprechen über Visus, Refraktion und Kontrastsehen. Doch wie stabil bleibt die Sicht zwischen zwei Lidschlägen?
In der optometrischen Praxis berichten Menschen von schwankender Sehschärfe, Brennen oder verkürzten Kontaktlinsentragezeiten. Oft wird die Sicht nach dem Blinzeln kurz besser.
Eine mögliche Ursache: die Meibomdrüsendysfunktion (MGD).
Die Meibomdrüsen geben ein lipidreiches Sekret ab, das den Tränenfilm stabilisiert und seine Verdunstung begrenzt.
Bei einer MGD können Drüsenausführungsgänge verlegt sowie Sekretqualität und -abgabe verändert sein. Die Folge kann ein instabiler Tränenfilm sein.
Was bedeutet das für die Sehqualität?
Der Tränenfilm bildet eine optisch wirksame Grenzfläche des Auges. Wird er instabil, kann sich die Abbildungsqualität zwischen den Lidschlägen verändern:
• Schwankender Visus trotz korrekter Refraktion
• Verminderte Kontrastempfindlichkeit
• Verstärkte Lichtstreuung und Blendung
• Verschwommenes Sehen bei Bildschirmarbeit
• Nachlassende Sehbeständigkeit beim Lesen
Auch die Kontaktlinsenverträglichkeit kann leiden.
Und genau hier beginnt unsere optometrische Arbeit.
Nicht mit pauschalen Tränenersatzmitteln, sondern mit einer strukturierten Untersuchung.
Die Anamnese klärt: Wann treten Beschwerden auf? Hilft Blinzeln? Welche Rolle spielen Medikamente, Bildschirmarbeit und Kontaktlinsen?
Der OSDI-6-Fragebogen unterstützt die standardisierte Symptomerfassung (TFOS DEWS III, 2025).
An der Spaltlampe beurteilen wir Lidkanten, Drüsenöffnungen, Lidschlag und Augenoberfläche.
Die Tränenfilmstabilität prüfen wir bevorzugt mittels NIBUT. Meibumqualität und Exprimierbarkeit liefern Hinweise auf eine MGD. Fluoreszeinanfärbung und gegebenenfalls Meibographie ergänzen die Untersuchung.
Wichtig: Nicht jedes trockene Auge beruht auf einer MGD. Und nicht jede MGD verursacht Beschwerden.
Was können wir konservativ tun?
Je nach Befund können Wärmebehandlungen, Lidrandpflege und lipidbasierte Tränenersatzmittel sinnvoll sein.
Blinkverhalten und Umgebungsbedingungen gehören ebenfalls zur Beratung.
Entscheidend sind Befundeinordnung, Verlaufskontrolle und bei Krankheitsverdacht die augenärztliche Abklärung.
Bei Schmerzen, Photophobie, ausgeprägter Rötung oder neuer relevanter Sehverschlechterung ist sie dringend, besonders bei Kontaktlinsenträgern.
Mein Fazit:
Wir messen, wie scharf ein Mensch sehen kann. Doch wie stabil bleibt diese Sehqualität im Alltag?
Eine gute Refraktion korrigiert den Brechungsfehler. Einen instabilen Tränenfilm korrigiert sie nicht.
Mich würde eure Erfahrung interessieren:
Wie häufig prüft ihr bei schwankender Sehqualität gezielt den Tränenfilm und die Meibomdrüsen? Gehört das bei euch zur Routine?
#Optometrie #DryEye #Meibomdrüsen #Tränenfilm #Kontaktlinsen #Augengesundheit